Politik
Die Internet-Community ist tot
0Vor allem von Politikern und Rechteinhabern hört man oft die Begriffe “Internet-Community”, “Netz-Citizens” oder schllicht “Internet-Gemeinde”. Der CDU-Hinterbänkler und Nachsitzer Ansgar Heveling sagte kürzlich der Netzgemeinde den Kampf an. Keiner weiß wieso, aber das muss wohl auch niemanden interessieren. Jeder hat ein Recht darauf sich lächerlich zu machen. Der Punkt ist aber ein anderer. Wieso wird immer noch zwischen Online und Offline interschieden. Warum diese Abgrenzung? Das Internet ist nicht mehr das elitäre Spielzeug der Computer-Nerds und der Wissenschaft. Es ist ein alltägliches Kommunikationsmittel geworden. Noch nicht auf dem Stand des Telefons, aber auf dem besten Wege dahin. Werbung mit Internet-Adressen, die Mailadresse auf der Visitenkarte und das connecten bei Facebook statt der dahingekritzelten Telefonnummer in der Disco sind alltäglich. Wer redet schon von der Auto-Community? Oder von der Biergemeinde? Hat schon mal jemand etwas von Disco-Citizens gehört?
Diese Abgrenzung wird künstlich aufrecht gehalten. Zum einen weil sich diejenigen, die sich ihre Mails noch immer ausdrucken lassen nicht dazugehörig fühlen. Auch die Angst vor dem gar nicht so neuen Neuem spielt sicherlich eine Rolle. Aber auch um klar zu machen das man nicht dazu gehört, weil es die eigene Position gefährdet. Natürlich gehören die Zeitungsverleger und die Content-Industrie dazu. Sie betreiben Webportale, verscherbeln in Online-Stores Musik, Filme und Anstand. Und dennoch sehen sie im Netz hauptsächlich Wegelagerei, Diebstahl und Geldverlust die es zu bekämpfen gilt. Daher dürfen sie nicht dazu gehören, weil die Akzeptanz dafür, dass das Internet keine neue Welt sondern einfach nur ein Spiegel der Gesellschaft mit ihren guten und schlechten Seiten ist, noch immer nicht konsensfähig ist. Zumindest nicht in der Großteilen der Politik.
Die Netzgemeinde ist tot. Sie ist aufgegangen in einer Gesellschaft die sich online und offline durch die Welt bewegt. Wie immer bei einer gesellschaftlichen Weiterentwicklung ist die Angst nicht weit. Die Angst, dazu zu gehören.
Nur ohne Skimütze ins Internet
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Der CDU-Politiker Axel E. Fischer (nicht zu verwechseln mit Alfred E. Neumann) fordert allen Ernstes ein Vermummungsverbot im Internet. Also das verwenden von Pseudonymen soll verboten werden. Gut, das Politiker ihre absolute Unkenntnis das Internet und technische Zusammenhänge betreffend zur Schau stellen ist keine Seltenheit. Aber CDU-Mdb Fischer ist auch noch der Vorsitzende der “Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft des Bundestags”. Und dann ist dieser Mann so uninformiert? Das bestärkt meine Vermutung, das die einzige Voraussetzung um Politiker zu werden die ist, selbstständig atmen zu können. Zumal er mit dieser Forderung geltendes Recht ignoriert. Zum Beispiel § 13 Abs. 6 TMG (“Der Diensteanbieter hat die Nutzung von Telemedien und ihre Bezahlung anonym oder unter Pseudonym zu ermöglichen, soweit dies technisch möglich und zumutbar ist. Der Nutzer ist über diese Möglichkeit zu informieren.”) und vermutlich auch gegen das Recht auf informelle Selbstbestimmung. Aber gut, das geltendes Recht für die CDU kein Hindernis ist, ist auch nichts Neues.
Bildquelle: http://www.sxc.hu/ (tutu55)
Von Milchmädchen und Musik
0RA Stadler hat sehr gut zusammengefasst, was mir schon einige Zeit durch den Kopf ging. Kurz gesagt bringt er folgende Argumente vor: Es besteht nur im sehr geringen Maße - wenn überhaupt – ein kausaler Zusammenhang zwischen Musikpiraterie und den Umsatzrückgang der Musikbranche. Ausschlaggebender sind eher Mutlosigkeit der Musikindustrie, Innovationsmangel, Ignoranz gegenüber den Kunden und deren verändertes Konsumverhalten. Aber lest Euch den Artikel selbst durch, er ist sehr interessant.
Wer röchelt ist noch nicht tot
0Was ist eigentlich in der politischen Landschaft los? Das FTP-Mann Rösler quasi einen Kotau vor der Pharmalobby hinlegt, war abzusehen. Aber es gibt ja noch andere Baustellen. Zum Beispiel ACTA (Anti-Counterfeiting Trade Agreement). Das Antipiraterie-Abkommen wird hinter verschlossenen Türen verhandelt. Demokratische Diskussion unerwünscht. Und während die Verwertungsindustrie mit am Tisch sitzt, sucht man deren Kritiker vergebens. Die Access-Provider sollen als Hilfssheriffs verpflichtet werden, die den Datenverkehr ihrer Kunden überwachen sollen. Datenschutzrechtlich ein Super-GAU. Auch Netzsperren kommen wieder ins Spiel. Aber dazu braucht es ACTA nicht, die EU-Kommision diskutiert bereits darüber. Natürlich nur um Kinderpornographie zu verhindern. Das angebliche Milliardengeschäft soll dadurch ausgerottet werden, in dem ein Stop-Schild davor gehängt wird. Ob Begehrlichkeiten aufkommen, auch andere Inhalte damit zu sperren, braucht man sich nicht fragen – nur wann diese kommen. Als hätte es die ganze Diskussion im letzten und diesen Jahr nicht gegeben. Und auch die Verlage haben ein Begehr. Das Leistungsschutzrecht solle doch bitte eingeführt werden, weil sonst der Qualitätjournalismus ausstirbt. Sagt unter anderem der Springer-Verlag. Jener Verlag der die BILD auf die Menschheit los lässt. Denn Google verdiene zu viel an der Leistung der Verlage. Das die Verlage eine Großteil ihrer Leser durch Google auf ihre Seite bekommen, zählt nicht. Google soll zahlen, immerhin verdient de Suchmaschinenriese mit der Werbung neben den Suchergebnissen. Google News wird in diesem Zusammenhang oft genannt, und nicht nur ich reibe mir verwundert die Augen. Ist Google News seit jeher Werbefrei. Und als könnten die Verlage nicht mit einer simplen Textdatei Google aussperren. Den Verlagen gehen Gewinne flöten, weil sie es nicht geschafft haben im Netz ein funktionierendes Geschäftsmodell zu etablieren. Da soll also ein Wirtschaftszweig per Gesetz künstlich am Leben gehalten werden, der es selbst nicht schafft konkurrenzfähig zu bleiben. Wir kennen das ja auch von der Film- und Musikbranche. Als gebe es die Marktwirtschaft nicht, die da eben bedeutet, das – zu Recht – untergeht, wer sich nicht weiterentwickelt. Wer röchelt ist noch nicht tot. Und an allem ist Google Schuld. Google eignet sich sowieso als Feindbild für alle Eventualitäten. Nicht wenige Politiker stoßen sich an Google StreetView. Plötzlich ist der Aufschrei groß. Datenschutz! Man könnte es Einbrechern zu einfach machen und überhaupt geht niemanden was an, wie das Haus aussieht in dem ich lebe. Die Deutschen schauen sich gerne andere Länder auf StreetView an, aber bitte nicht das eigene Land. Und eben jene Politiker, die jetzt aufschreien und um die Informelle Selbstbestimmung ihrer Bürger fürchten, haben kein Problem mit ELENA, Swift-Abkommen, Vorratsdatenspeicherung und dem Fakt, dass der Staat noch weit mehr Daten sammelt als Google – um diese an die Wirtschaft zu verkaufen.
Was ist los mit der politischen Landschaft? Ich weiß es nicht, aber mit verantwortungsvollem, überlegtem Handeln hat das nichts mehr zu tun.
Heise: Unionsvize für Leistungsschutzrecht und bessere Urheberrechtsdurchsetzung

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