Fun

Lustiges und Witziges

weihnachtsbaum

Auf halber Flamme

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Der Wecker riss mich aus meinem wohlverdienten Schlaf und beendete kurz darauf sein kurzes und unglückliches Maschinenleben mit einem Flug aus dem Fenster, dass ich dummerweise zuvor nicht geöffnet hatte. Ich kroch weiter unter die Decke, denn wenn ich schon unter einer meterdicken Schneedecke ersticken musste, wollte ich das wenigstens im Warmen genießen. Es war Samstag und ich verfluchte mich dafür vergessen zu haben, den metallenen Hahn-Ersatz nicht ausgestellt zu haben.

Moment! Ich hatte ihn doch absichtlich gestellt. Wie Schuppen, oder in diesem Fall besser gesagt, wie Schneeflocken fiel es mir vor meine entzündeten Augen: Ich erwartete Besuch zum Essen. Die bucklige Verwandtschaft hatte sich angemeldet. Ich sprang aus dem Bett und mit Panik in den Augen realisierte ich, dass Tante Mathilda mit Sicherheit wieder ihre Satansbrut mitbringen würde. Verdammt! Wieso war eigentlich eine nachträgliche Abtreibung eines Zehnjährigen verboten? Als ob Mathilda nicht schon reichte. Und Tante Ursel würde mit Sicherheit diesen kleinen inkontinenten Pinscher mitbringen, der mindestens einmal zuviel gegen den Baum gerannt ist. Als meine Gedanken zu Onkel Herbert schweiften griff ich gedanklich zu einer 38’ger und richtete mich selbst. Eine Hirnkreuzende Kugel kann einfach nicht soviel Leid verursachen wie Onkel Herberts Geschichten von Stalingrad und die momentane Konsistenz seines Stuhlgangs.

Für zehn Personen zu kochen bedeutet auch für zehn Personen einzukaufen – sollte man meinen. Aber auch Vetter Gustl meldete seinen Besuch an. Vetter Gustl war so beleibt… nein, beleibt ist wirklich das falsche Wort. Er ist so fett das er eine eigene Gravitation besitzt und mit seinem Bauch kann er richtige Dialoge führen, da dieser schon über eine eigene Intelligenz und Persönlichkeit besitzt. Wenn er ein Gebäude betritt wird das Bauamt informiert und ein Statiker beauftragt, der in der Regel Brücken für Schwertransporte und Panzerüberquerungen berechnet. Ich habe sogar gehört das Vetter Gustl als „extrem erdnaher Mond“ eingetragen werden soll. Zum Glück wohne ich ebenerdig mit der Möglichkeit die komplette Fensterfront in den Garten öffnen zu können. Ich kalkulierte also mit vierzehn Personen und schrieb den neuen Fernseher, den ich diesen Monat kaufen wollte, in den Wind.

Nach dem Einkauf und einer Flut von Tränen lenkte ich meinen VW-Kombi zurück nach Hause und brachte die Lebensmittel innerhalb einer halben Stunde von der Garage in die Küche. Ich legte mir die Rezepte bereit, band meine „Küss den Koch“-Schürze um und fing an die halbe Sau auseinander zu nehmen. Als mir noch mal kurz die angekündigte Verwandtschaft in den Sinn kam, dachte ich fast liebevoll an den Schlachter mit seinem Bolzenschussgerät. Aber es musste ja sein. Ich zog meinen Kopf wieder aus dem Backofen und machte mich daran das Gemüse zu schälen. Eineinhalb Stunden, zwei fast abgesäbelte Finger und beträchtliches Vorkosten bestimmter Ingredienzien für die Weißweinsoße später, köchelte alles vor sich hin und ich konnte mich auf das Sofa fallen lassen.

Die Nachmittagssonne brach sich in der potthässlichen Vase von Oma Trudi die sie mir einst schenkte und die heute ihren Weg aus dem hintersten Winkel des Dachbodens auf den Esstisch fand. Sie wird sicher nach ihr fragen wenn sie nicht auf den Tisch steht. Und wie erklärt man einer 95’jährigen das die Vase so hässlich ist, dass die Blumen sofort freiwillig verwelken nur um da nicht rein zu müssen. Nach dem kollektiven Selbstmord eines Strauß Tulpen wusste ich: Auch Pflanzen haben Gefühle“. Meine Nase, und vor allem der Feuermelder, verrieten mir dass das Essen schon langsam fertig sein müsste. Nachdem der Feuermelder fachmännisch durch einem gezielten Schlag mit einem neuner Eisen ruhig gestellt wurde, deckte ich den Tisch und bereitete die Speisen zum servieren vor. Mittlerweile war es fast 18 Uhr und das gequälte Klingeln der Türschelle kündigte das drohende Unheil an.

Ich öffnete die Tür. „Hallo Oma Tru..“ „Du bist jetzt 31 Jahre alt und hast noch immer keine Frau im Haus! Wie stellst Du dir das vor? In Deinem Alter hatte ich schon sechs Kinder. Und was macht mein Herr Enkel?“ „Aber..“ „Nichts aber! Es wird Zeit das Du heiratest und ein paar Kinder machst. Wie das funktioniert hat Dir Dein missratener Vater hoffentlich erzählt. Glaub mir mein Junge, du bist das einzige was dieser Taugenichts zu Stande gebracht hat und wenn ich mir dich so ansehe, hat er sogar das vermasselt. Wo ist das Essen?“. So viel zu Oma Trudi. Im Altenheim hat sie einen Verschleiß von etwa drei Pflegern pro Monat und ich frage mich, wo die noch welche her bekommen. Hinter Oma sah Mutti zu Vati und fragte ihn „Du hast es ihm doch erzählt oder?“ Vati sah mich an und ich erinnerte mich den Playboy den er mir zu Aufklärung schenkte und an das Geschrei in der Nachbarschaft, als ich anfing im Winter anatomisch korrekte Schneefrauen zu bauen. Gott, ich bin 31 und weiß durchaus wie man Kinder macht, konnte das aber bis dato durch geschickten Einsatz von lustigen Gummihütchen verhindern. Meinen Freundinnen erzähle ich immer, dass ich ein Waisenkind bin, dessen ganze Verwandtschaft bei einem Afrikaurlaub von Kannibalen gefressen wurde. Das mache ich immer so, seit Mutti meiner ersten Freundin erklärt hat welche Gute-Nacht-Geschichten ich hören will wenn man mich um halb acht ins Bett bringt. Meine erste Freundin hatte ich übrigens mit 26.

Eine hektische Betriebsamkeit im Seismologischen Institut schräg gegenüber informierte mich über die baldige Ankunft von Vetter Gustl. Aber wir waren erst bei Stärke 2,4 auf der nach oben offenen Richterskala und so konnte ich mir ausrechnen, das er noch mindestens eine viertel Stunde brauchte. Dafür traf mein Bruder Frank ein. Frank bezeichnete sich immer als Geschäftsmann und je nachdem welche Maßstäbe man ansetzte, konnte das sogar stimmen. Die Staatsanwaltschaft hatte zwar andere Bezeichnungen für ihn, aber das störte Frank nicht. Er stand immer mit einem Bein im Betonschuh und sollte es mal soweit sein das er die Schiffe an ihren Schrauben erkennen könnte, würde mich das nicht wundern. Der Satz „Frank ist untergetaucht“ hätte auf einem mal eine völlig neue Bedeutung. Nach und nach trafen alle ein. Bevor ich hinter Gustl die Tür schloss winkte ich den Leuten vom Straßenbauamt zu. Sie winkten zurück. Nein, sie winkten zu Cousine Susi. Wie soll man Susi beschreiben? Sie hat ein riesiges Gehirn. Allerdings ist dieses in ihre Möpse gerutscht die immerzu versuchten aus ihrem Ausschnitt zu hüpfen. Das Vakuum in ihrem Kopf hat sie in der Zwischenzeit mit Kaugummi gestopft und somit wackelt ihr Kopf im Wind nicht mehr so schnell hin und her. Da sieht man mal wieder zu was Massenträgheit gut ist. Ob sie dumm ist? Naja, wie soll ich sagen… der Trick ihr zu erzählen man sei Arzt und wolle nur mal eben mit einem speziellen Thermometer Fieber messen, funktioniert bei ihr. Sie ist so dumm wie Frank kriminell ist. Hoffentlich finden die beiden nie zueinander und zeugen Kinder.

Oma Trudi hatte inzwischen angefangen alles was sie in meiner Wohnung für Gerümpel hielt in die Mülltonne zu schmeißen. Ich schob sie sanft ins Esszimmer und fischte seufzend mein 500 Euro Handy zwischen meinen CD’s aus dem Papierkorb. Vetter Gustl führte ein angeregtes Gespräch mit seinem Bauch und sie spekulierten was es heute zu essen geben würde. Mathildas verdorbene Frucht ihrer Lenden namens Sven raste in der Wohnung herum und sorgte dafür, dass ich in Zukunft zwei Vasen weniger putzen musste. Um den schönen Läufer im Flur kümmerte sich Ignaz, diese Promenadenmischung dessen Stammbaum einen tropfenden Wasserhahn und einen Autoskooter beinhaltet haben muss. Ich packte das Vieh am Genick und freute mich als ich erblickte, dass das Eisfach meines Kühlschranks noch offen war. Mit Schwung landete Ignaz neben Tiefkühlhähnchen und Instantpommes und würde bald eine Körpertemperatur haben, die ausreichte eine Flasche Sekt eine ganze Weile kühl zu halten. Ich überlegte kurz, aber Sven passte da nicht hinein. Aber bei bedarf könnte ich ja auf den Backofen zurückgreifen. Wenn man diesen kleinen Schmarotzer nur ordentlich verschnürt, könnte das klappen.

Als ich in das Esszimmer zurückkehrte unterhielten sich Tante Mathilda und Tante Ursel über Stützstrümpfe und Krampfadernbehandlungen. Vetter Gustl redete mit seinem Bauch der beständig antwortete, Mutti hielt Frank einen Vortrag was sein kriminelles Wesen anging und Vati versuchte sich gerade mit einem Besteckmesser die Pulsadern aufzuschlitzen, weil Onkel Herbert ihm in aller Ausführlichkeit von seinem künstlichen Darmausgang berichtete. „Was für eine Bruchbude. Und lauter Schund. Aber vermutlich bist Du zu dämlich dir eine Frau zu angeln. Wie Dein Vater. Keine Ahnung wie er Deine Mutter bekommen hat.“ Oma Trudi war in ihrem Element. Ich servierte die Vorspeise, eine leckere Pasta und eine Gemüsesuppe. Onkel Herbert war entzückt. „Prima, von so was bekomme ich immer festen Stuhl. Mein Arzt sagt das ist wichtig“. Ich versuchte nicht hinzuhören. „Was ist das für eine Brühe?“ „Gemüsesuppe, Oma“ „Sieht aus wie schon mal geschlürft“. Ich seufzte tief. „Wenn Du eine Frau hättest, hättest Du heute nicht kochen müssen, Enkel.“ „Ich habe aber keine Frau, Oma“ „Bist Du schwul? Ich habs gewusst, wenn mein Sohn einen Sohn fabriziert, und weiß der Teufel wie er herausgefunden hat wie das geht, kann nur so eine Schwuchtel dabei heraus kommen“ „Ich bin NICHT schwul, Oma. Aber ich hab einfach noch nicht die richtige gefunden.“ Papperlapapp, die Richtige.. Pah. Ihr Männer seid alle gleich. Du meinst Du hast noch keine gefunden die dich Versager gewollt hätte und große Möpse hat“ „OMA!“ „Ist doch wahr“. Gott sei Dank wurden gerade alle mit der Vorspeise fertig und ich konnte in die Küche verschwinden um den Hauptgang zu holen.

Mathilda und Ursel waren bei Rheuma und Gicht angekommen. Onkel Herbert berichtete wie er in Stalingrad ganz allein gegen drei Dutzend Russen gekämpft hatte, und seinen Ausführungen nach zu urteilen musste er über unendlich viel Munition verfügt haben und die Stadt in Blut ertrunken sein. Vati versuchte sich mit einer Gabel zu erstechen. Frank bat Mutti um ein Alibi für vorgestern und Sven hopste auf Gustls Bauch herum. Oma Trudi versuchte gerade einen Roy Lichtenstein von der Wand zu nehmen um ihn der städtischen Müllabfuhr zuzuführen. Ich servierte Schweinsgeschnetzeltes und Onkel Herbert lachte auf „Haha, so hat der Russe auch ausgesehen nachdem ich ihm eine Handgranate an die Birne geschmissen hatte“ Schade, das der Russe nicht die Zeit hatte zurück zu werfen, dachte ich. Sven mochte offensichtlich kein Geschnetzeltes, er dekorierte damit lieber meine Tapeten neu. Tante Ursel fragte nach ihrem Zwergpinscher, ich verdrehte die Augen und Tante Mathildas Magen hielt Onkel Herberts Stalingrad-Geschichte nicht stand. Sie reiherte unter den Tisch, Sven schleuderte den ganzen Teller quer durch den Raum, Gustl lies einen Furz fahren, der in den USA gereicht hätte halb Texas in der Gaskammer damit auszulöschen und Oma Trudi dezimierte ihren Tellerinhalt mit angewiderten Gesicht, indem sie ihn in den Mülleimer entsorgte. Vati hatte endlich mit der Gabel Erfolg und sein glückliches Lächeln begrub seinen Teller unter sich. Tante Ursel bekam einen Schreikrampf als sie einen Eiswürfel mit Hundehalsband im Eisfach entdeckte und die Fenster im ganzen Haus splitterten als ein Sonderkommando der Polizei das Haus stürmte. Sven hatte in der Zwischenzeit Streichhölzer gefunden und versuchte die Brennbarkeit meiner Gardinen zu ermitteln, als der nächste Pubs von Vetter Gustl zu einer spontanen Verpuffung führte. Zwei Beamten der SoKo räumten den ganzen Tisch ab als sie Frank wegen einer ganzen Latte von Delikten verhafteten und meine Mutter hielt ihm währenddessen eine Standpauke. Tante Ursel brach in einem Weinkrampf zusammen, während Vati aus dem Haus getragen wurde. Mutti fragte laut wer in Zukunft den Rasen mäht und Tante Mathilda verteilte eifrig ihren Mageninhalt während sie nach draußen stolperte. Onkel Herbert brachte mit weiteren Stalingrad Geschichten zwei Polizisten dazu ihre Waffen erst gegen sich zu richten und dann nach kurzem Überlegen, gegen Onkel Herbert. Nun ja, seinen künstlichen Darmausgang würde er in Zukunft nicht mehr benötigen.

Als das Sonderkommando mit Frank abgezogen und auch der Rest der Verwandtschaft gefahren oder abtransportiert war, stand ich vor meinem brennenden, zerstörten Haus und bemerkte gar nicht Susi, die sich im Gebüsch mit drei Polizisten vergnügte. War vermutlich dienstlich. Hatte ich eigentlich erwähnt dass ich das Rezept für das Geschnetzelte in einer Ausgabe von „Meine Familie und ich“ gefunden hatte? Das zarte Heulen der Feuerwehrsirene holte mich wieder auf den Steinboden der Tatsachen zurück und erinnerte mich daran, das ich ein Jahr Zeit hatte. Ein Jahr um mich für das nächste Essen im Kreise der Familie zu rüsten.

Diese Geschichte erschien ursprünglich im November 2004 im Online Satire Magazin ZYN!

Auf halber Flamme von Alexander “Alexx” Ebner steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland Lizenz.

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Advent, Advent, das Christkind brennt

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Jeden Tag eine Leckerei und Herausforderung hinter dem Türchen. Advents-Satire

Erster Dezember 2010

Hurra, ich darf das erste Fenster meines Adventskalenders öffnen. Ein Schokoengelchen. Ich liebe den Advent.

Zweiter Dezember 2010

Eine Glocke. Ich lasse die Schokolade auf meiner Zunge zergehen und bekomme einen zärtlichen Kuss meiner Liebsten. Die Adventszeit ist immer so romantisch.

Dritter Dezember 2010

Kollege Meier erzählt mir von seinem tollen Adventskalender mit Pralinen und kleinen Geschenkchen. Ich freue mich für ihn. Ich hatte ein Schokoauto.

Vierter Dezember 2010

Ein Schokokopf. Nichts nennenswertes passiert.

Fünfter Dezember 2010

Kollege Niederkopf erzählt in der Kantine schmutzige Adventswitze. Habe aus Höflichkeit mitgelacht. Frl. Blasewetter sah pikiert zu Boden. Schokotannenzweig.

Sechster Dezember 2010

Nikolaustag. Meier kommt mit einem Nikolauskostüm und verteilt Schokolade und Kondome. Lustiger Scherz. Ich mache mich über die Schoki her und schiebe die Kondome unserer jungen, allerdings auch sehr hübschen Azubine zu. Schutz ist heute so was von wichtig. Vor allem für die Jugend. Demnächst muss ich mich wegen sexueller Belästigung am Arbeitsplatz äußern.

Siebter Dezember 2010

Meine Liebste scheint sich über den Wischmop den ich ihr zum Nikolaus schenkte irgendwie nicht zu freuen. Ist äußerst muffig heute. Schokoschlitten im Kalender. Kolleginnen gehen mir aus den Weg. Menschenskind, ich wollte doch wirklich nur das Beste für die Kleine. Frl. Blasewetter murmelte was von “Ja, ja” und “.. sein bestes Stück”.

Achter Dezember 2010

Zweiter Advent. Meine Liebste war wieder versöhnlich. Zumindest bis zu dem Zeitpunkt als ich mein Sturmfeuerzeug zum Entzünden der zwei Kerzen auf dem Advendskranz zückte. Bei den anderen brannten nur zwei mickrige Kerzen, bei uns der ganze Kranz. Warum war das Holz auch nur so trocken?

Neunter Dezember 2010

Anschiss wegen Nikolaustag. Die Frauenbeauftragte unserer Firma grinste hämisch. Eintragung in der Personalakte. Als ich wieder an meinen Schreibtisch zurück kam fand ich zwei Kondome auf meinem Platz liegen. Schnell steckte ich sie ein. Schokoflugzeug.

Zehnter Dezember 2010

Hatte einen Schokohasen im Kalender und einen eiskalten Hasen mir gegenüber am Frühstückstisch sitzen. Sie hatte die Gummis in meiner Tasche gefunden. Meine Beteuerungen das ich ihr ewig treu bin prallten an ihr ab wie ein Zwerg an Santas Bauch. Frostiger Empfang im Büro und auch am Abend Zuhause. Habe Angst vor Frostbeulen.

Elfter Dezember 2010

Azubine kam im Minirock. Das macht sie extra. Ignoriere sie geflissentlich. Meier pfeift ihr nach. Blöd das er das auf der Türschwelle in sein Büro machte und ich allein auf dem Gang stand als sie sich umdrehte. Termin beim Boss für morgen in Outlook eingetragen. Mausi ist immer noch sauer

Zwölfter Dezember 2010

Meier schwärmt wieder davon was er heute in seinem Kalender fand. Er geht mir auf den Nerv. Der Boss glaubt mir meine Schilderung des Vorfalls am Vortag nicht. Zweite Eintragung und eine dringende Empfehlung einen Bogen um Auszubildende und Minderjährige zu machen.

Dreizehnter Dezember 2010

Schatzi spricht wieder mit mir. Ich wünschte nur es wäre was freundlicheres als “Bring den Müll raus”. Hatte das Büro für mich allein. Zumindest gingen alle als ich es betrat. Als ich mich in der Kantine zu meinen Kollegen setzte standen diese auf. Mir fiel auch auf das sie mich heute nicht fragten ob ich zum essen gehe. Komisch.

Vierzehnter Dezember 2010

Die Nachbarkinder machten eine Schneeballschlacht. In einem Anfall eines jugendlichen Gefühls machte ich mit. Blöd das sich ein Stein in meinem Schneeball versteckte. Ich überschlug im Geiste wie viel eine Katze kosten könnte. Was muss das Vieh auch in die Wurfbahn springen.

Fünfzehnter Dezember 2010

Dritter Advent. Behutsam entferne ich den “Katzenmörder”-Zettel von meiner Haustür. Mein Mäuschen war am Kofferpacken. Sie hatte mit einer Freundin telefoniert die lustigerweise mit einem meiner Kollegen verheiratet war. Meine Erklärungsversuche scheiterten.

Sechzehnter Dezember 2010

Hatte einen Schokotannenbaum im Kalender. Ich fand Schokolade nicht mehr so spannend. Mausi fehlt mir.

Siebzehnter Dezember 2010

Hab mit Mausi telefoniert. Konnte sie nach stundenlangen Betteln und Überreden dazu bringen wieder zurück zu kommen. Wir lagen uns weinend in den Armen. Als wir später ins Bett gingen kreuzte ein neues Problem auf. Stress erzeugt tatsächlich Impotenz. Ich war immer stolz darauf dass er stand wie ein Weihnachtsbaum. In dieser Nacht wars eher eine Trauerweide.

Achtzehnter Dezember 2010

In der Arbeit reißt Meier Pädophilenwitze. Werde dabei von Kollegen lachend angesehen. Gedanken an einen Axtmord durchschleichen meine Hirnwindungen.

Neunzehnter Dezember 2010

Schokoschlitten. Bin frustriert. Sex hat letzte Nacht wieder nicht geklappt. Mausi seufzt jedes Mal bei meinem Anblick.

Zanzigster Dezember 2010

Kleiner Umdrunk. Meier gibt einen aus. Meier will auf kamaradschaftlich machen und haut mir auf die Schulter so das ich mein Glas verschütte. Laufe panisch aufs Klo. Solche Flecken bekommt man später nicht mehr raus. Verdammt. Falsche Tür. Stehe nur in Unterhosen vor der Azubine. Sie hat nen Mini an. Das Gute daran: die Impotenz ist augenscheinlich vorbei.

Einundzwanzigster Dezember 2010

Ich lese zum dritten Mal die Kündigung während Mausi weinend ihre Sachen packt. Ihre Mutter im Auto hupt schon. Hatte eine Schokoweihnachtskugel.

Zweiundzwanzigster Dezember 2010

Ein Nachbar wünscht mir frohe Feiertage. Ich haue ihm ein blaues Auge. Habe kurz darauf selber eines. Der Freund der Azubine freute sich nicht so sehr über den Behandlungserfolg seiner Freundin bei meinem kleinen Schwellkörperproblem.

Dreiundzwanzigster Dezember 2010

Die Polizei steht vor der Tür. Ich denke sie sind wegen des kleinen Vorfalls im Supermarkt mit einem verkleideten Weihnachtsmann hier. Egal was mit mir passiert, ER würde keinen ‚Nachwuchs mehr zeugen. Sie drohen die Tür einzutreten. Als Antwort schicke ich ihnen meinen lichterloh brennenden Weihnachtsbaum, den ich aus dem Badezimmerfenster im ersten Stock fallen lasse. Ich hätte den Baum doch nicht schon im Wohnzimmer anzünden sollen. Nun hat auch die Feuerwehr ein dringendes Bedürfnis meine Wohnung von innen zu besichtigen. Ich sitze auf dem Dach und singe Weihnachtslieder, die nicht unbedingt für Kinderohren gedacht sind.

Vierundzwanzigster Dezember 2010

Ich feiere Weihnachten mit Bob. Wir teilen uns unsere Zelle. Bob ist sehr nett. Er mag mich. Er sagt er habe ein Geschenk für mich. Ich freue mich schon wenn ich es auspacken darf. Bob sagt, es ist etwas für jeden Tag. Aber warum kommt der Weihnachtsmann mit dicken Sack und strammer Rute?

Diese Geschichte erschien Ursprünglich am 06.12.2002 im Online Satire Magazin ZYN! Jahreszahlen wurden aus Aktualitätsgründen angepasst

Advent, Advent das Christkind brennt von Alexander “Alexx” Ebner steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Keine kommerzielle Nutzung-Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland Lizenz.

Bildquelle: Stock.xchng

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Gernot Hassknecht übers Sparen

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[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=YrQAUqoF43o[/youtube]

Tiltshift-Aufnahme eines Keyboards

Cybernetic Overdrive

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Achtung, dieser Text ist Satire. Wenn Sie Satire nicht verstehen verlassen Sie bitte diese Seite. Bald kommt wieder das Musikantenstadl.Tiltshift-Aufnahme eines Keyboards

Die Menschen vermeiden es über ihr Schicksal nach zu denken. Sie nehmen es in der Regel hin und wenn es doch jemand wagen sollte an der bestehenden Ordnung zu rütteln, rüttelt er nicht selten bald an Gitterstäben. Aber wieso rütteln? Die Welt ist doch so schön…

Chapter one : Wir kümmern uns um dich

Bassard wachte aus einem unbekümmerten Schlaf auf und ein Lächeln zeigte sich auf seinem Gesicht. Natürlich hatte er gut geschlafen und von schönen Dingen geträumt. Schließlich wurden die Träume vom Computer überwacht. „Guten Morgen, Andrew Clark Bassard. Es ist sieben Uhr am 21.04.2076“ Mit diesen Worten begann Bassards Tag in der automatischen HydroAcusticDusche, die ihn mit ultraschallzerstäubten Wasser abduschte, mit Heißluft trocken föhnte und ihm den Arsch puderte. Vater, wie der allgegenwärtige Computer genannt wurde, suchte für Bassard neue Kleider aus dem Schrank. Grünes T-Shirt, orangener Overall und eine orangene Jacke. Bassard besah sich im Holomatrixed-Spiegel und war begeistert. „Chic“. Es war immer chic. Es gab für jeden Einwohner von Newmuc nur diese Einheitskleidung. Sie war immer chic, immer gewesen und würde es immer sein. Bassard gab seiner augenblicklichen Lebensgefährtin einen Abschiedskuss bevor er das holomatrixed-Dreamgirl abschaltete. Heute Abend würde er ihr einen knackigeren Arsch programmieren. Es waren nur marginale Änderungen, die er selbst erledigen konnte. Erst vor einem viertel Jahr hatte sich Dr. Snorr ihrer angenommen und ein umfangreiches Tit-Tuning vorgenommen. Heute ist so was ja nicht mehr so blutig wie damals zu den alten Zeiten. Er musste sich nun beeilen. Bassard verließ sein Appartement im 660sten Stock des EBM-Buildings und steuerte auf einen der Aufzüge zu die ihn zehn Stockwerke tiefer zu den Hochgeschwindigkeitstranfermodulen bringen würden. Der Aufzug begrüßte ihn und schloss

die Türen gerade noch rechtzeitig um zu verhindern das ein 200 Kilo Weib mit drei Bälgern zusteigen konnte. „Der Lastenaufzug ist zwei Gänge weiter“ motzte der Aufzug sie an. „Ich hasse diese blöden Wachteln die nicht kapieren das Bodydesign wirklich existiert.“ „Ja, da hast du wohl Recht“ entgegnete Bassard. „Hast Du was an dir machen lassen? Keiner hat so einen Body“ „Naja“ Bassard wurde ein wenig verlegen „Den Bauch angepasst und die Oberarme. Meine braunen Augen hab ich gegen grüne getauscht.“ „Echte?“ „Nein, sind Cybernetics“ „Sony?“ „Nein, Ono-Senday. Die haben ne höhere Auflösung und ein paar nette Features“ „Nicht gerade billig. Was hast Du für Features einbauen lassen?“ „Tit-o-meter, zeigt die Maße einer Frau an. Infrarot, damit ich nicht das Licht anmachen muss wenn ich Nachts pissen muss.“ Den eingebauten „Love-me-tender-vibration-pack“-Vibrator in seinem Penis verschwieg Bassard. Er hatte mit 35 Jahren zwar noch nie mit einer Frau geschlafen, zumindest mit keiner echten, aber man kann nie wissen. Aber das hm-dg bei ihm zu Hause musste ihm reichen. Echte Beziehungen waren selten geworden in dieser Welt. Es war einfacher mit einem holomatrixed-Individual zusammen zu sein als mit einem echten Menschen. Wenn sie ihm nicht passte, änderte er ihre Parameter und alles ist wieder gut. Demnächst wollte er noch ein DAD-Modul besorgen. Dream-aided-Design war der Renner. So konnte er sein hm-dg im Traum anpassen und nach dem Aufwachen gleich da weiter machen wo er im Traum aufgehört hatte. Er hörte mal von einer Frau die gleich ein Dutzend holomatrixed-DreamBoys ihr eigen nannte und diese per DAD-Modul neu programmierte. Die hm-db’s erfüllten ihr jeden Wunsch so das sie einen Organic gar nicht mehr ansah. Der Aufzug hatte den 650sten Stock erreich und entließ Bassard in eine riesige Shopping-Mal. Er kam an einen End-of-Day-Laden vorbei. Die Mensch wurde heute im Schnitt 130 Jahre alt, aber manche hatten einfach keine Lust mehr. Als in den ePapers immer häufiger von Selbstmorden berichtet wurde, hatte ein findiger Geschäftsmann die Idee zu End-of-Day. Man konnte sich seine Todesart auswählen und für alte Militärhaudegen die sich die Birne mit ihrer geliebten Dienstwaffe wegblasen wollten, wurde sogar ein extra Raum mit Plastik ausgekleidet. Auch die Friedhofsproblematik löste sich dadurch indem End-of-Day alle Dienstleistungen die das sterben anging, wie zum Beispiel Beerdigungen, übernahm, sei es Selbstmord, natürlicher Tod, unnatürlicher Tod und als natürlicher Tod getarnter unnatürlicher Tod. Die Überreste des Verstorbenen landeten gleich nebenan bei Restore-it. Hier wurde der Leichnam ausgeschlachtet und mit ein paar Nanosonden und Gen-Mutators wieder auf Vordermann gebracht. Mann konnte alle Organe, außer das Zentralnervensystem, durch Cybernetics ersetzen lassen, aber viele zogen Organics vor. Haut (wenn jung), Augen, innere Organe, Brüste, Penis, Wirbelsäule, Muskeln, also alles außer Knochen wurde wieder verwertet. Die Knochen wurden gemahlen und als Dünger verwendet. Das Gehirn konnten sich die Hinterbliebenen plastinieren lassen oder es wurde zu Kosmetik verarbeitet. Demzufolge gab es auch keine Krematorien und Friedhöfe mehr. Aus dem wenigen unverwertbaren Material das ein Verstorbener hinterlies wurde in einem Kleinstkrematorium ein Aschehäufchen gebrannt das ausreichte um eine kleine Phiole zu füllen die sich um den Hals tragen lies. Je nach Testament schmissen die Hinterbliebenen diese Phiole auch einfach in die nächste Mülltonne. Ein paar Meter weiter kam Bassard an der Volkshochschule vorbei. Er las sich das Kursangebot durch. „Kommunizieren – wie ich mich mit einem echten Mensche unterhalte“ „Deckbau – Cyberdeck selbst gebaut“ „Onanie – Liebe an und für sich“ „Denken – den eigenen Kopf benutzen“. Bassard ging weiter. Ein kleiner elekronischer Sony-Kläffer bellte ihn an und wollte an ihm das Beinchen heben. Bassard kickte die Töle mit einem gezielten Fußkick in den nächsten Brunnen wo das Viel mit einem lauten Knall platzte und eine hässliche Frau mit seinen Einzelteilen perforierte. Ihr Blut spritzte auf den Boden und der vorbeikommende Beamte der StaSe, der Staatssäuberung, verpasste ihr einen Strafzettel über 30 EuroBucks wegen Verschmutzung der Gehwege. Bassard ging achselzuckend weiter und dachte sich „selber schuld wenn man keine Nanomed’s im Blut hat“. Er erinnerte sich wie er sich mal übel verletzte und die nanomeds die Wunde verschlossen ohne das sein Blut herausspritzen konnte. Die Frau von vorhin, deren Attraktivität von minus hundert in bodenlose abgedriftet war, wurde derweil von einem netten Mitarbeite von End-of-Day betreut.

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