Der Weg des Lebens
Das Leben ist tödlich. Immer. Eine simple Weisheit. Aber was sagt sie wirklich aus? Im Determinismus des Lebens läuft es auf diese letzte Konsequenz hinaus. Wir beginnen unser Leben als Zellhaufen, erschaffen durch den Höhepunkt zweier Menschen beim Koitus, was im französischen nicht ganz zufällig “le petit mort” – der kleine Tod – genannt wird. Zwischen diesen beiden Zeitpunkten, der Empfängnis und dem Exitus liegt eine Zeit, die wir im allgemeinen Leben nennen, auch wenn diese Bezeichnung auf manche Zeitgenossen nur schwerlich angewendet werden kann.
Das Leben an sich ist ein Betrug an uns selbst. Hart arbeiten wir daran, damit “etwas aus uns wird”. Aber das Leben kennt kein Ziel, ausser die Weitergabe genetischen Materials. Das was wir aus uns machen, hat keinen Bestand. Zumindest nicht auf lange Sicht. Es dient nur dazu, die Zeit des Lebens so angenehm wie möglich zu gestalten – was im Ansicht der 40-Stunden-Woche eine Farce ist. Wo liegt das Ziel des Lebens? Und lässt sich daraus die Frage ableiten wofür es sich zu sterben lohnt? Die eigenen Kinder? Sicherlich! Aber sonst? Für viele kriegerische Völker war es eine Ehre, im Kampf zu sterben. Aber wofür? Ruhm? Ehre? Vaterland? Natürlich sind Ruhm und Ehre eine tolle Sache. Nützt zwar nichts mehr, wenn man in 6 Fuß Tiefe von den Würmern angeknabbert wird, aber der Stolz der Hinterbliebenen ist gewiss.
Auf die Geburt folgt das Leben, folgt der Tod. Zu Ersterem brauchen wir nicht viel tun, das erledigen andere für uns. Und den harten Aufschlag auf den Boden der Realität bekommen wir da noch nicht mit. Auch der Tod ist relativ unspektakulär. Wir zögern ihn soweit als möglich hinaus, aber letztendlich wirds einmal dunkel und die Sache hat sich. Für uns selbst hat er keine Konsequenzen. Interessant ist also nur die Spanne dazwischen. Kostbare Lebensminuten, die wir damit verbringen auf Facebook eine virtuelle Farm zu gründen oder daheim vorm Fernseher in der Nase zu boren. Und die Uhr tickt weiter. Natürlich wissen wir, dass die Zeit relativ ist. Aber sie verinnt dennoch. Aus diesem Grund wurde die Lebensplanung erfunden. Das klassische Beispiel: Schule – Studium – Arbeit – Beziehung – Heirat – 1-5 Kinder – Häuschen im Grünen – Gartenzwerg – Seniorenstift. Oder so ähnlich. Wir wissen, dass das Leben im Groben deterministisch ist. Im Feinen aber nicht. Man kann planen, aber auch der beste Plan kann scheitern. Dass dem so ist, wissen wir von Werner Karl Heisenberg, der mit seiner Unschärferelation ganze Weltbilder zerstört hat, zumindest das von der Vorhersehbarkeit des Universums. Nichts ist vorhersehbar.
Das scheitert zum Beispiel schon an der unterschiedlichen Denke von Mann und Frau. Männer beschweren sich oft – zu Recht – dass sie Frauen nicht verstehen. Umgekehrt ist es wohl aber genauso. Der Grund ist simpel. Frauen kommunizieren gern über Zeichen und Andeutungen. Der Mann soll von selbst drauf kommen, oder zwischen den Zeilen lesen. Männer hingegen mögen es lieber direkt. Eine solche Konstellation macht jede Vorhersage zunichte. Und so kommt es, dass wir nur ein Spielball von Raum und Zeit sind. Ist also jede Planung sinnlos? Nein, natürlich nicht. Zumindest den groben Weg sollte man schon kennen. Wenn ich als nüchterner Techniker in einer Goa-Hippi-Gruppe auf Ibiza aufwache, hat irgendwas nicht funktioniert. Es könnte daher Sinn machen, zumindest das Ziel zu planen, der Weg wird sich schon finden. Fakt ist: Das Leben an sich ist deterministisch, was wir daraus machen ist eine andere Sache. Und vielleicht sollte man es auch einfach mal laufen lassen, um zu sehen wohin der Weg führt.
Dieser Text wurde von mir erst auf jetzt.de veröffentlicht.

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